Die IV. Generation

Tücher en gros und en detail

 

Heinrich (1851 - 1913) ∞ Cäzilia, geb. Geiginger

Kinder: Leopold Heinrich

 

Heinrich IV kann – nachdem alle weichenden Erben ausbezahlt sind – erst mit 37 Jahren Haus und Betrieb übernehmen und auch erst jetzt seine Frau Cäzilia heiraten. Nach dem großen Stadtbrand 1868 wird das Stammhaus Stück für Stück saniert und weiter ausgebaut. Neue Fassaden Richtung Hauptplatz, der Ausbau des 3. Stocks und der Bau des so genannten Commis-Stöckl, ein eigenes Wohnhaus für Angestellte (dient heute in aufgestockter Form als Büro- und Lagerraum) fallen in die schaffensreiche Epoche von Heinrich IV. Zusätzlich wird das auch heute noch benutzte Wohnzimmer ausgebaut und mit dem systematischem Aufbau der Familienbibliothek begonnen.

Wirtschaftlich wird der erfolgreiche Ammerer Weg konsequent weitergeführt, wobei vor allem der Ausbau des Tuchhandels en gros und en detail mit zahllosen Krämern Früchte trägt. Geliefert wird hauptsächlich auf Kreditbasis, wobei meist durch Hypotheken auf  Liegenschaften der Vertragspartner das Ausfallsrisiko minimiert wird. Gerade diese Möglichkeiten der Finanzierung stärkt die Marktposition des Unternehmens Ammerer zusätzlich.

Der im Finanzierungsbereich äußerst talentierte Heinrich Ammerer trägt, angeregt durch seine Ausbildung an der Gewerbeschule in Freising, maßgeblich an der Gründung der Sparkasse Ried bei. Für seine umfangreichen Verdienste wird das Finanzgenie Ammerer zum Ehrenbürger der Stadt Ried erhoben. Aufgrund seines ausgezeichneten Finanzwissens und der sehr guten Beziehungen zum damaligen Leitinstitut, der Centralbank der deutschen Sparkassen in Prag, bekleidet Heinrich Ammerer zusätzlich die Funktion des Censors. Außerdem erhält er im Rahmen seiner Funktion als handelsrechtlicher Laienrichter beim Kreisgericht Ried den hochgeschätzten Titel „Kaiserlicher Rat“.

Dem Aufbruchsgeist der Zeit folgend kauft Heinrich viele Aktien junger böhmischer und österreichischer Unternehmen, aber auch Schuldverschreibungen staatlicher Verwaltungen. Nach der Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 bricht die Konjunktur dramatisch ein und die Papiere werden großteils wertlos. –Im Familienarchiv lagern noch beträchtliche Bestände von Aktien und Schuldscheinen.

1913 laden Heinrich und Cäzilia anlässlich ihrer silbernen Hochzeit die gesamte Verwandtschaft in das Stammhaus Ried ein. Es kommt zu lautstarken Erbdisputen, wobei sich Heinrich derart aufregte, dass – so ist es überliefert – er einen Herzinfarkt erlitt und daran verstarb. Am Vorabend des 1. Weltkrieges wird das Unternehmen somit neuerlich als Witwenbetrieb weitergeführt. Cäzilia Ammerer gelingt das Kunststück, den Familienbetrieb erfolgreich durch die Wirren des Weltkrieges zu führen um schließlich ihrem Sohn Leopold Heinrich – nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft – im Jahr 1919 Stammhaus und Unternehmen zu übergeben.